Geriatrie - Neurologie

In Bayern wurden bereits frühzeitig sowohl im Bereich der Geriatrie als auch der neurologischen Frührehabilitation die Weichen für eine leistungsfähige flächendeckende Versorgung gestellt.

Bereits 1982 wurde vom bayrischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen das Fachprogramm „stationäre Versorgung und Rehabilitation von Schlaganfallpatienten und Schädel-Hirn-Verletzten“ erarbeitet.
Im Jahr 1990 hat die bayerische Staatsregierung die Grundsätze zur geriatrischen Versorgung in Bayern beschlossen.

Geänderte Rahmenbedingungen, insbesondere Änderungen in der demographischen Entwicklung der Bevölkerung und Gesetzesänderungen erfordern eine permanente Anpassung der vorhandenen Strukturen.

Durch die Einführung des DRG - Abrechnungssystems werden die bislang geordneten Strukturen in Frage gestellt.

Der Arbeitskreis Geriatrie / Neurologie hat sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität der vorhandenen Strukturen zu sichern und gleichzeitig eine angemessene Finanzierung zu gewährleisten.


Derzeit werden im Arbeitskreis folgende Ziele bearbeitet:

  1. Sicherung einer sachgerechten (tagesbezogenen) Vergütung der neurologischen Frührehabilitation im DRG-System

    Die Frührehabilitation im Krankenhaus ist im Jahr 2001 in Zusammenhang mit der Einführung des SGB IX in § 39 Abs. 1 Satz 2 SGB V als Bestandteil der Krankenhausbehandlung ausgewiesen worden. Mit Einführung des DRG-Systems stellte sich die Aufgabe, für die neurologische Frührehabilitation (NFR) eine adäquate Vergütungsregelung im Fallpauschalenkatalog zu finden, die bis dato nicht zufrieden stellend gelöst ist. Eine sach- und leistungsgerechte Abbildung der Frührehabilitation im DRG-System gestaltet sich schwierig.
    Im DRG-Fallpauschalenkatalog erfolgt die Zuordnung der Behandlungsfälle in der NFR anhand der Verweildauer. Für Patientenfälle mit einer Verweildauer von bis zu 27 Tagen sind kalkulierte DRG-Entgelte im Hauptabteilungskatalog ausgewiesen. Für Behandlungsfälle mit einer Verweildauer über 27 Tage werden krankenhausindividuelle Entgelte (gemäß Anlage 3a der FPV) vereinbart. Diese Regelung führt in der Praxis u. a. zu Schwierigkeiten bei der Budgetplanung und bei der Verrechnung von Minder- und Mehrerlösen.
    In Bayern werden die meisten der Frührehabilitationseinrichtungen vor Ort als besondere Einrichtung im Sinne der „Vereinbarung zur Bestimmung von besonderen Vereinbarungen (VBE)“ anerkannt. Allerdings haben die Einrichtungen keinen gesetzlichen Anspruch, als besondere Einrichtung i.S.v. § 17 Abs. 1 KHG i.V.m. VBE anerkannt zu werden. Dies setzt vielmehr die Bereitschaft der Kostenträger voraus, die nicht immer gegeben ist und auch in Zukunft für die Kliniken keine verlässliche Option darstellt.
    Der aktuelle Vorschlag zur Reform der Krankenhausfinanzierung nach Abschluss der Krankenhausfinanzierungsgesetze ab 2009 sieht in einem neuen § 17d KHG den konkreten Auftrag an die Selbstverwaltung zur Entwicklung eines entsprechenden Entgeltsystems für den Bereich der Psychiatrie und Psychosomatik vor.
    Eine solche Lösung erscheint auch für die neurologische Frührehabilitation sinnvoll, weil die NFR Phase B hinsichtlich Organisation, Aufgaben und Abläufen zahlreiche Parallelen zur Psychiatrie aufweist. Die Verweildauer hängt in der NFR ebenso wie in der Psychiatrie kaum von der zugrunde liegenden Diagnose, sondern vielmehr von der Schwere der aus der Diagnose resultierenden Beeinträchtigungen ab. Zudem erschwert die große und inhomogene Streuung der Verweildauer die Ermittlung von kostenhomogenen Fallgruppen, die für die Kalkulation von Fallpauschalen erforderlich sind.
    Die Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel Vergütung der NFR Phase B dauerhaft in den Status der „besonderen Einrichtung“ zu führen bzw. durch die Änderung des neuen § 17 d KHG dem InEK einen Entwicklungsauftrag für ein tagesbezogenes, leistungsgerechtes, pauschaliertes Entgelt zu erteilen.

  2. Schnittstellendefinition Geriatrie

    Ausgangspunkt ist die für geriatrische Rehabilitationseinrichtungen in Bayern unbefriedigende Situation, dass hier auf Grund landesspezifischer Regelungen die Geriatrie vorwiegend im Rehabilitationsbereich stattfindet, während im restlichen Bundesgebiet die Geriatrie (auch) dem akutstationären Bereich zugeordnet ist. Die durchschnittliche Tagesvergütung der geriatrischen Rehabilitation liegt deutlich unter den vom InEK kalkulierten geriatrischen Komplexpauschalen. Wegen der unterschiedlichen Interessenlage der unterschiedlichen Verbände ist man sich einig dass das Ziel nicht die Änderung des derzeitig bestehenden OPS-Codes 8-550 sein darf, sondern dass es ausschließlich darum geht, die Schnittstelle

    · Akutgeriatrie / rehabilitative Geriatrie sowie

    · rehabilitative Geriatrie / orthopädische bzw. internistische Anschlussheil-   
      behandlung

    zu definieren.

  3. Anpassung des Katalogs der therapeutischen Pflege (KtP) an die Erfordernisse der Geriatrie

    Im Bereich der Geriatrie gibt es derzeit noch kein Instrument zur Erfassung des pflegerischen Aufwands.
    In der neurologischen Frührehabilitation dagegen hat sich in Bayern der Katalog der therapeutischen Pflege (KtP) etabliert. Zielsetzung bei der KtP-Erstellung war es, den Begriff der therapeutischen Pflege sowie deren Abgrenzung zur Grundpflege und Angaben zum jeweils anrechenbaren zeitlichen Aufwand zu ermöglichen.
    Der KtP erscheint grundsätzlich gut geeignet, auch auf die Erfordernisse der geriatrischen Rehabilitation anwendbar zu sein. Die Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, die Besonderheiten der geriatrischen Rehabilitation im KtP herauszuarbeiten.