Klimawandel und Kliniken

VPKA Bayern: „Einrichtungen sind jetzt gefordert“

München - Der Klimawandel ist längst nicht mehr nur eine ökologische Herausforderung, sondern wird zunehmend zur ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr. Hitzeextreme, verstärkte UV-Belastung und Luftverschmutzung wirken sich zunehmend negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit aus. Diese Entwicklung stellt auch das Gesundheitswesen vor neue Aufgaben. Der Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern e.V. (VPKA) setzt sich mit der schwierigen Gemengelage auseinander.

„In vielen Kliniken stehen derzeit wirtschaftliche Herausforderungen im Vordergrund. Oft sind sie gravierend, mitunter existenzbedrohend“, weiß VPKA-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ann-Kristin Stenger. „Daneben rücken auch der Klimawandel und seine Folgen als drängendes Thema verstärkt in den Fokus. „Klimawandel ist kein weit entferntes Zukunftsthema, sondern seine Auswirkungen betreffen uns heute schon ganz direkt“, so Stenger. Nicht nur Naturkatastrophen, auch klimawandelbedingte Gesundheitsbelastungen nehmen bereits spürbar zu – bei Patienten ebenso wie beim Personal. Sie mahnt: „Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage dürfen die Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimaresilienz darum nicht als nachrangig oder optional betrachtet werden. Es geht nicht um ein ,nice to have‘, sondern um eine strukturelle Notwendigkeit.“ Das jüngste Gutachten des Internationalen Gerichtshofs unterstreicht diese Verantwortung. Demnach sind Staaten verpflichtet, die Gesundheit und Menschenrechte ihrer Bevölkerung auch angesichts klimatischer Veränderungen aktiv zu schützen „Eine Verpflichtung, die auch die Gesundheitsversorgung betrifft.“

Dr. Ann-Kristin Stenger verweist auf den Handlungsbedarf, der sich bereits aus der bestehenden Gesetzgebung ergibt: „Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet energieintensive Betriebe - dazu zählen auch viele Kliniken - zu Audits und zur Einführung von Energiemanagementsystemen. Ab 2026 müssen die meisten Krankenhäuser einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Langfristig ist eine treibhausgasneutrale Krankenhausinfrastruktur das Ziel. Diese gesetzlichen Anforderungen machen klar: Klimaschutz im Gesundheitswesen ist keine freiwillige Leistung, sondern ein verbindlicher Teil der Zukunftssicherung.“

Neben den rechtlichen Pflichten sprächen auch ökonomische Benefits für mehr Klimaschutz im Klinikbetrieb. „Klimaschutzmaßnahmen wie etwa Energieeinsparung, verbesserte Gebäudeinfrastruktur oder Abfallvermeidung können langfristig Kosten senken. Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene schaffen zusätzliche Anreize. Nicht zu vergessen: klimafreundlichen Gesundheitskonzepte und -angebote sind für Kliniken auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute in Klimaschutz und Nachhaltigkeit investiert“, resümiert sie, „stärkt nicht nur die Zukunftsfähigkeit der eigenen Einrichtung, sondern übernimmt Verantwortung für Gesundheit, Gesellschaft und kommende Generationen. Hilfreich wäre es, wenn Politik und Kliniken gemeinsam verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, damit nachhaltige Entwicklung im Gesundheitswesen nicht an fehlenden Mitteln oder überbordender Bürokratie scheitern.“
Ein wichtiges Signal in Bezug auf das Thema setzt der Deutsche Reha-Tag am 27. September 2025. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Nachhaltigkeit in der Reha – ökologisch, ökonomisch und sozial“. Der Aktionstag macht deutlich, dass Nachhaltigkeit mehr ist als Umweltschutz – sie umfasst auch ressourcenschonende Betriebsabläufe, digitale Effizienz, soziale Verantwortung und langfristige Versorgungssicherheit.