München – Pflegefachkräfte verdienen heute deutlich besser, als es die öffentliche Wahrnehmung häufig vermuten lässt. Darauf weist der Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern (VPKA) hin. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit liegt das mittlere Bruttomonatsentgelt für vollzeitbeschäftigte Pflegefachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege bundesweit bei 4.587 Euro, in Bayern bei 4.632 Euro. Das entspricht rund 55.000 Euro brutto im Jahr.
„In den vergangenen 15 bis 20 Jahren hat sich bei der Bezahlung enorm viel getan“, sagt VPKA-Geschäftsführer Michael Strobach, der für die Verhandlungen der Tarifverträge mit dem Marburger Bund und ver.di verantwortlich ist. „Das Bild vom schlecht bezahlten Pflegeberuf ist überholt. Examinierte Pflegefachkräfte sind heute sehr gut bezahlt – und je nach Einsatzbereich, Verantwortung, Zusatzqualifikation, Zulagen sowie Zuschlägen sind, zusammen mit den Jahressonderzahlungen, auch deutlich höhere Einkommen möglich.“
Schon die Ausbildung ist finanziell attraktiv: Die Vergütung für Auszubildende nach dem Pflegeberufegesetz beträgt im Tarifwerk des VPKA monatlich derzeit 1.489 Euro im ersten und 1.687 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Damit gehören Pflegeberufe bei der tariflichen Ausbildungsvergütung zu den Spitzenreitern. Auch nach der Ausbildung setzt sich das hohe Vergütungsniveau fort. Im Tarifwerk des VPKA startet eine Pflegefachkraft in der Entgeltgruppe EG 7a seit Juli 2026 bei einem monatlichen Grundentgelt von 3.216 Euro. Leitungskräfte können bis zu 5.543 € monatlich verdienen. Dazu kommen Jahressonderzahlungen, Zulagen und Zuschläge. Pflegedienstleitungen und deren Stellvertretungen werden außertariflich vergütet.
„Hinzu kommt: Pflege ist sinnstiftend wie kaum ein anderer Beruf und eröffnet hervorragende Berufsperspektiven“, betont Strobach. Dass trotz dieser guten Voraussetzungen weiterhin Tausende Pflegefachkräfte fehlen, zeigt jedoch, dass finanzielle Attraktivität allein nicht genügt. Aus Sicht des VPKA kommt es zum einen darauf an, mehr Menschen eine Pflegeausbildung zu ermöglichen. Dazu müssen endlich auch Reha-Kliniken regulär als Träger der praktischen Pflegeausbildung zugelassen werden – eine Forderung, für die sich der VPKA seit Langem einsetzt. „Dieses Potenzial ungenutzt zu lassen, können wir uns angesichts des Pflegekräftemangels nicht leisten“, bekräftigt Strobach.
Überdies müssen Pflegefachkräfte langfristig im Beruf gehalten werden. Strobach: „Hebel hierfür sind weniger Bürokratie, mehr fachliche Eigenverantwortung und größere betriebliche Gestaltungsspielräume für die Einrichtungen. Wer Pflegekräfte hochqualifiziert ausbildet, muss ihnen anschließend auch ermöglichen, ihre Kompetenzen im Berufsalltag einzusetzen. Pflegekräfte sollen an und mit Patientinnen und Patienten arbeiten, nicht am Schreibtisch.“ „Die Pflege bringt vieles mit, was einen attraktiven Beruf ausmacht. Jetzt kommt es darauf an, dieses Potenzial auch konsequent zu nutzen.“