München - Psychosomatische Institutsambulanzen, kurz PsIAs, leisten einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Menschen mit schweren oder chronischen psychischen Erkrankungen. Das zeigen aktuelle Daten, die das aQua-Institut auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie vorgestellt hat. Das Institut setzt im Auftrag des Verbandes der Privatkrankenanstalten in Bayern (VPKA) das Qualitätssicherungsverfahren für diese spezialisierten Ambulanzen um. Im Mittelpunkt der Präsentation standen vor allem die körperlichen Begleiterkrankungen der Patientinnen und Patienten, die in den im Freistaat angesiedelten PsIAs behandelt werden.
Psychosomatische Institutsambulanzen richten sich an Patientinnen und Patienten, die im bestehenden Versorgungssystem nicht ausreichend erreicht oder nicht angemessen eng begleitet werden können. Damit schließen sie eine wichtige Lücke zwischen stationärer Krankenhausbehandlung und ambulanter Versorgung durch niedergelassene Ärztinnen, Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Bislang ist es erst in fünf Bundesländern gelungen, psychosomatische Institutsambulanzen in relevantem Umfang zu etablieren. Bayern gehört dazu – mit landesweit zwölf Einrichtungen. Im Rahmen der Landesvereinbarung ist eine verpflichtende Qualitätssicherung vorgesehen. Dafür werden kontinuierlich Daten zu allen behandelten Fällen ausgewertet. Ziel ist es, die Erkrankungssituation der Patientinnen und Patienten besser zu verstehen: Welche psychischen Erkrankungen stehen im Vordergrund? Welche körperlichen Begleiterkrankungen kommen hinzu? Und wie komplex ist der tatsächliche Behandlungsbedarf?
Die nun vom aQua-Institut vorgestellte Analyse beruht auf Qualitätssicherungsdaten zu mehr als 2.500 Behandlungsfällen der zwölf bayerischen PsIAs aus den Jahren 2022 bis 2024.
Die Ergebnisse:
Rund zwei Drittel der Patientinnen und Patienten sind weiblich. Besonders stark vertreten ist die Altersgruppe der 51- bis 60-Jährigen; sie macht etwa 30 Prozent der Fälle aus. Bei mehr als der Hälfte der behandelten Personen wurden mittelschwere oder schwere depressive Störungen häufig mit wiederkehrenden Krankheitsepisoden dokumentiert. Des Weiteren weisen zwischen 17 und 19 Prozent chronische Schmerzstörungen mit somatischen und psychischen Faktoren auf. Bei 12 bis 18 Prozent der Fälle wurde eine posttraumatische Belastungsstörung als führende Störung dokumentiert. In rund 70 Prozent besteht die psychische Symptomatik bereits seit mindestens fünf Jahren.
Auch somatische Komorbiditäten spielen eine große Rolle. Damit sind körperliche Begleiterkrankungen gemeint, die zusätzlich zur psychischen Hauptdiagnose bestehen und oft mit dieser zusammenhängen. Bei rund 30 Prozent der Fälle liegen Erkrankungen des Nervensystems vor. Ebenfalls zweistellige Anteile entfallen auf Erkrankungen des Hormon-, Ernährungs- und Stoffwechselsystems, des Kreislaufsystems sowie des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Im Durchschnitt weisen die behandelten Patientinnen und Patienten zwischen 1,5 und 2,5 verschiedene körperliche Diagnosen auf.
„Die Daten zeigen sehr klar, dass Psychosomatische Institutsambulanzen keine zusätzliche Versorgungsstruktur für leichte Fälle sind. Sie erreichen Menschen, die lange krank sind, oft mehrfach belastet und im bestehenden System schwer ausreichend versorgt werden können“, betont VPKA-Geschäftsführer Michael Strobach. „Gerade deshalb ist das bayerische Modell so wichtig: Es verbindet Versorgung, Transparenz und Qualitätssicherung auf eine Weise, die bundesweit als Maßstab dienen kann.“
